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Die ewige Elf des Tages

Seit der allerersten Bundesligasaison kürt der Kicker zu jedem Spieltag eine Elf des Tages. Auf kicker.de sind all diese Allstar-Teams einzusehen. Auch wird am Ende jeder Spielzeit eine Elf der Saison gekürt, vor allem auf Grundlage der Durchschnittsnoten. Das ist sicher sinnvoll, trotzdem kann man ja auch mal probehalber schauen, welche Rankings sich ergeben, wenn man die Nominierungen für die Elf des Tages akkumuliert, und zwar nach Spielernamen wie auch nach Clubs. Welche Spieler und welche Clubs wurden am häufigsten für die Elf des Tages nominiert? Das kann man saisonweise oder auch, im Stile einer ewigen Elf des Tages, für die komplette Bundesligageschichte tun.

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Mündliche Korpora zur Fußballlinguistik?

Die Ergänzung meiner Korpora zur Fußballlinguistik um gesprochene Sprache ist ein lang gehegter Wunsch von mir. Auf meiner Festplatte habe ich schon so manches Transkript, etwa aus meinem Pressekonferenzenprojekt oder zum Doppelpass-Projekt. Aber das mündliche Fußballgenre schlechthin (und wahrscheinlich auch das am intensivsten beforschte Genre) sind natürlich die Livereportagen, im Fernsehen oder besser noch im Radio. Diese Daten hätte ich gerne bzw. würde sie gerne anderen Forschenden für deren Forschungen zur Verfügung stellen. Allein die Transkriptionsarbeit ist eine sehr zeitaufwändige Sache, und so ist es bislang bei dem Wunsch geblieben.

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…sagte/flachste/unkte Tuchel – redesignalisierende Verben im Sprachvergleich

Auf der Seite weltfussball.de finden sich nicht nur die (zumindest unter den auf klassische Berichterstattung abzielenden Anbietern) besten Liveticker, sondern auch Unmengen von Newsmeldungen zu allen möglichen Ligen dieser Welt. Und das Unternehmen im Hintergrund, die HEIM:SPIEL Medien GmbH betreibt auch noch alle möglichen länderspezifischen Varianten wie z.B. die auf den Schweizer Fussball spezialisierte Seite weltfussball.com oder die englische Seite worldfootball.net mit ebenfalls unzähligen Newsmeldungen. Eine tolle Ressource also für sprach(raum)vergleichende Analysen!

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Standardvarietäten im Fussball

Seit heute ist in den Korpora zur Fußballlinguistik ein kleines feines Subkorpus mit 537 Livetickern zur Schweizer Super League von nzz.ch öffentlich zugänglich. Die Syndication Abteilung der NZZ war so freundlich, „zu Gunsten der Bildung“ auf Lizenzgebühren zu verzichten. Die Einräumung der Nutzungsrechte war mit dem Hinweis verbunden, dass die NZZ die Liveticker auch nur von extern einkauft, und zwar von der heim:spiel GmbH, die auch die weltfussball-Liveticker erstellt. Mag sein, doch ist sehr wahrscheinlich, dass nicht das übliche Münsteraner Autorenteam an den Tasten saß, sondern ein/e Schweizer Muttersprachler/in. Denn die Liveticker weisen so manche sprachliche Eigenheit auf, die die Liveticker als typisch Schweizerisch ausweist, aber kaum so bekannt sein dürfte, dass ein/e Deutsche/r sie imitieren könnte.

Die Schweiz hat nicht nur die vielen Varianten der Schweizerdeutschen Mundarten, auch das geschriebene Standarddeutsch unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht vom Bundesdeutschen. Im Wortschatz gibt es einige Unterschiede, aber auch die Grammatik weist Eigenheiten auf. Das Zürcher/Salzburger Forschungsprojekt zur Variantengrammatik kümmert sich um eine umfassende Dokumentation dieser Unterschiede, und auch das Variantenwörterbuch von Ammon et al. ist eine nützliche Quelle. Und für alles findet man auch in den Livetickern Anschauungsbeispiele.

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Linguistik des Transfergerüchts

Eine hübsche Ressource für die Fußballlinguistik ist die Gerüchteküche von transfermarkt.de, wo mit allergrößter Ausdauer eine der weitreichendsten Folgen der Professionalisierung und Kommerzialisierung des Fußballs besprochen wird: Der nicht selten mit schier unvorstellbaren Geldsummen verbundene Vereinswechsel von vertraglich gebundenen Spielern. Die ohnehin die offizielle Fußballberichterstattung, aber auch das informelle Sprechen über den Vereinsfußball beherrschenden Mutmaßungen, wer wann für wieviel wohin und warum wechseln wird, werden im Diskussionforum von transfermarkt.de in eine recht streng reglementierte und durch allerlei Daten wie Leistungsdaten, geschätzter Marktwert usw. angereicherte Form gegossen.

Foto: cranky messiah (flickr, CC BY-NC 2.0)

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„Wir“ verlieren und „die Mannschaft“ gewinnt

Zu den unerschöpflichen Quellgründen der Analyse und Bewertung von Fußballspielen gehört der Topos vom Fußball als Mannschaftssport. „Der Star ist die Mannschaft“, wie es jetzt mal wieder über den frisch gekürten Weltmeister Frankreich, aber auch über den Finalgegner Kroatien heißt, ist nur die expliziteste Ausprägung. Von „geschlossenen Mannschaftsleistungen“ ist die Rede, davon, dass jeder seine Rolle im Team kennt, und für Spielmacher ist es das größte Lob, wenn sie ihre „Mitspieler in Szene setzen“ können. Aber auch die Rede von der „individuellen Klasse“ einzelner Spieler, die ein Spiel „quasi im Alleingang entscheiden“ können, erhält ihre Bedeutung gerade aus dem Kontrast zum eigentlichen Ideal der Kollektivleistung.

Dabei umfasst dieses Kollektiv mehr als nur die 11 Spieler auf dem Platz. Die Einwechselspieler gehören natürlich dazu, die Trainer und ihr Team und schließlich auch der sprichwörtliche zwölfte Mann, die Fans. Wie sehr sich Trainer und Fans als Teil des Kollektivs sehen, zeigt sich in einem kleinen, aber aufschlussreichen sprachlichen Detail, nämlich der Wahl der sprachlichen Mittel, um auf die Mannschaft (die auf’m Platz) und ihre Leistungen Bezug zu nehmen. „Wir haben gut gespielt“ können auch die sagen, die selbst gar nicht gespielt haben, und dass 2014 „wir“ Weltmeister geworden sind, ist ja auch klar.

Obwohl aber die Bezugnahme mit „wir“ der Standardfall sein mag, kann man auch davon abweichen und „sie“, „die Mannschaft“ o.ä. sagen. Einem gerne gepflegten Klischee zufolge ist es unter Fans wohl so, dass „wir gewonnen“, aber „sie verloren“ haben. Erfolge verbucht man gerne auch für sich, während man Kritik gerne auf andere abschiebt. Wie aber halten es die Trainer?

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Zur Feier der Phrase

Fußballzeit ist Phrasenzeit. Daran hat man sich gewöhnt und das macht irgendwie auch Spaß, denn sonst wären nicht die Zeitungen und Sozialen Medien voll von den Listen der besten, lustigsten oder auch nervigsten Fußballphrasen. Der Fußball hat mit dem Phrasenschwein auch eine eigene, institutionalisierte Form der Reflexion über Phrasen hervorgebracht. Das Phrasenschwein, in der Fußball-Talkrunde Doppelpass entstanden und dort bis heute im Einsatz, ist längst sprichwörtliches Allgemeingut geworden, und die sprachkritische Intervention, dass irgendeine Plattitüde mit 3 Euro fürs Phrasenschwein abgegolten werden müsse, ist nicht mehr nur im Reden über Fußball üblich.

Zusammen mit meinem Kollegen Stefan Hauser habe ich mir die Institution des Phrasenschweins aus einer linguistischen, gesprächsanalytischen Perspektive genauer angesehen. Wir haben einige Folgen des Doppelpass gesichtet und alle Phrasenschwein-Passagen transkribiert. Wir wollten wissen, was überhaupt alles als „Phrase“ moniert wird, wie sich dieses Phrasenkonzept zu den in der Linguistik üblichen Kategorien von Phraseologismen verhält, vor allem aber, wie sich die Sprachreflexion in der Interaktion konkret vollzieht.

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Gomez und Hummels raufen sich die Haare

Im Fußball geht es emotional zu, und auch in der medialen Berichterstattung müssen hochemotionale Spektakel inszeniert werden. Das haben auch die Fußballspieler und -trainer selbst verinnerlicht, die sich ihrer Unterhaltungsrolle im medialen Sport ja durchaus bewusst sind. In einem lesenswerten Artikel hat der Soziologie Joachim Kotthaus kürzlich dafür argumentiert, dass spontan und impulsiv wirkende emotionale Ausbrüche wie Torjubel viel stärker von einem kulturell überformten Set an allgemein verstehbaren Symbolen geprägt sind, als man auf den ersten Blick meinen könnte, und so an die Deutungsgewohnheiten der zu unterhaltenden Zuschauer angeschlossen werden. Das sieht man spätestens dann, wenn man historisches Filmmaterial sichtet, wo Tore und Siege noch auf Weisen bejubelt werden (z.B. hüpfend und die Fäuste in den Himmel gereckt), die heute eher deplatziert wirken würden (vgl. hierzu: A. Linke (2009): Sprache, Körper und Siegergesten. In: Fehr/Folkers (Hg.): Gefühle zeigen. Zürich, S. 165–202). Mit anderen Worten: Im jeweils aktuellen Fußball sind emotionale Ausdruckshandlungen erlaubt und gefordert, die an anderen Orten und zu anderen Zeiten unpassend wären.

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„Männerfußball“

Im einem Interview mit dem Fanzine des 1. FC Köln effzeh.com habe ich die oft gestellte Frage nach der nervigsten Fußballfloskel für ein kleines politisches Statement genutzt und auf die Unerträglichkeit der Rede von „Männerfußball“ hingewiesen. Dankenswerterweise hat effzeh.com dieses Zitat sogar zur Überschrift gemacht, und ich möchte hier etwas ausführlicher erklären, was daran so unerträglich ist.

Dass der von Männern gespielte Fußball in der Berichterstattung und auch in der Alltagssprache die Norm ist und der von Frauen gespielte Fußball dagegen die Abweichung, die deshalb explizit als „Frauenfußball“ markiert wird, ist bekannt. Das kann man auf den großen Internetseiten wie kicker.de oder sport1.de sehen, wo es ganz viel „Fußball“ gibt mit Unterkategorien wie „Bundesliga“, „Champions League“ und dann irgendwann auch noch „Frauenfußball“. Man sieht das auch an Meldungen, dass Claudia Neumann „als erste und bisher einzige Frau im deutschen Fernsehen WM-Spiele live kommentiert„, was nur dann wahr ist, wenn Spiele der Frauenfußball-WMs nicht dazugezählt werden.

Diese geradezu zementierte Trennung der Geschlechter ist nichts Fußballspezifisches; im (Straßen-)Radsport verhält es sich ganz ähnlich. Aber z.B. im Biathlon oder im Tennis würde man kaum sagen, dass die von Männern ausgeübte Variante die Norm ist, was man schon daran sieht, dass die großen Turniere immer die Frauen- und Männerwettbewerbe parallel laufen lassen.

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(Almost) Open Data

Die Daten, die ich in den Korpora zur Fußballlinguistik zur für Forschungszwecke zur Verfügung stelle, sind urheberrechtlich geschützt. Deshalb können sie in CQPweb zwar recherchiert, nicht aber heruntergeladen werden. Inzwischen haben sich schon zahlreiche Linguist_innen aus ganz Europa für die Korpora registriert, um mit diesen Daten ihre eigenen Fragestellungen bearbeiten zu können. Dabei sind sie aber auf den Funktionsumfang von CQPweb angewiesen, der nicht schlecht ist aber eben doch besser sein könnte.

Und wenn ich schon die Daten selbst nicht teilen kann, so will ich doch wenigstens die Hürden senken, die an der Fußballsprache Interessierte daran hindern können, sich einfach selbst die Daten zu besorgen (was, solange man sie nicht wiederum weiterverbreitet, auch erlaubt ist). Noah Bubenhofer demonstriert auf seiner Seite eine Kombination aus curl, wget und xslt, mit der man sich die Daten runterladen und aufbereiten kann. Das funktioniert gut, und ich empfehle allen, es selbst zu lernen. Noch einfacher ist es aber mit den Standalone-Skripts, die ich seit heute auf GitHub zur Verfügung stelle. In den Skripts müssen nur die Start-URL und der Pfad für die Output-File angepasst werden, und schon lädt einem das Skript Liveticker und Spielberichte ganzer Spielzeiten oder Turniere herunter und gibt sie als saubere xml-Dateien aus.

Für den Import in die Corpus Workbench oder die niedrigschwellige Analyse mit AntConc o.ä. ist noch ein weiterer Transformationsschritt nötig, der die Metadaten als xml-Attribute ausgibt. Entsprechende xsl-Stylesheets sind auf GitHub ebenfalls verfügbar.

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