Autor: Simon Meier (Seite 1 von 5)

Sentiment-Analyse von Einzelkritiken

Ein vor allem in der Social Media Forschung vielerprobtes Text Mining Verfahren ist die sogenannte Sentiment-Analyse. Dabei sollen Texte möglichst automatisiert auf die in ihnen ausgedrückten Stimmungen, Haltungen oder auch Emotionen ausgewertet werden. Unternehmen nutzen dieses Verfahren gerne (oder lassen es sich gerne von anderen Unternehmen verkaufen), um z.B. zu erfahren, ob sich die Twittersphäre eher positiv oder eher negativ über ihre Produkte äußern.

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Krisen und Katastrophen im Fußball

Krisen und Katastrophen – im Gegensatz zur normalen Welt da draußen sind das im Fußball ganz normale, absolut erwartbare, ja geradezu alltägliche Ereignisse. Zumindest wenn man den Akteur*innen wie Spieler*innen, Trainer*innen und auch den berichtenden Journalist*innen glauben mag. Bekanntlich können schon zwei sieglose Spiele der Bayern ausreichen und schon stecken sie in einer handfesten Krise. Und ein frühes Gegentor kann auch dann eine Katastrophe sein, wenn man das Spiel noch erfolgreich drehen kann.

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Einzelkritiken und die Linguistik des Bewertens

Eine schöne Textsorte der Fußballberichterstattung sind Einzelkritiken, also jene kurzen Texte, in denen die Leistungen der einzelnen Spieler in einigen Sätzen bewertet werden. Es sind also sprachlich ausformulierte Fassungen zu den Spielernoten, die der kicker seit der Gründung der Bundesliga nach jedem Spieltag für jeden einzelnen Spieler vergibt. Und ein besonderer Glücksfall für korpuslinguistische Zwecke sind die Einzelkritiken von spox.com, die Noten und erläuternde Texte kombinieren.

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Wenn Unis Fußballclubs wären…

…und Wissenschaftler*innen statt nach Forschungsgeldern nach Siegprämien trachten würden, wenn ihre strategischen Ausrichtungen weniger auf die Besetzung von Forschungsthemen, sondern von Räumen auf dem Fußballfeld gerichtet wären, wenn Nachwuchsförderung vor allem dem Formaufbau und der taktischen Schulung von jungen Spieler*innen dienen würde, wenn Kooperationen in erster Linie Teamleistung auf dem Platz wäre. Man kann sich lange ausmalen, wie das wäre, und so manche Parallele zwischen Universität und Fußball scheint gar nicht mal so sehr an den Haaren herbeigezogen.

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Radiofußballlinguistik Pt. 2

Turn-Taking in der ARD-Bundesligakonferenz

Ein Gastbeitrag von Leonard Brandbeck

Dass die nach wie vor so populäre ARD-Bundesligakonferenz unter Fußballfans als eine „Institution“ der deutschen Sportberichterstattung angesehen wird, ist bereits im ersten Teil über die Struktur der einzelnen Berichterstattungselemente angeklungen. Umso erstaunlicher ist es, dass sich die (Fußball-)Linguistik bislang kaum mit ihr auseinandergesetzt hat. Bisherige Untersuchungen stammen eher aus der Publizistik bzw. Kommunikationswissenschaft, die Linguistik hat sich bisher meist auf die Beschäftigung mit Voll- oder Teilreportagen einzelner Spiele beschränkt.

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Niemand erkennt den Roboterjournalisten!

Ein Gastbeitrag von Constantin Cebulla

Hat ein Mensch den Text geschrieben, den ich lese? Selbstverständlich ist die Antwort auf diese Frage nicht. Denn Roboterjournalisten sind durchaus in der Lage, Texte zu allen erdenklichen Themen zu schreiben – und dies eigenständig von der Recherche bis hin zur Publikation. Besonders leicht fällt dies den Maschinen bei kurzen Texten, die stets nach einem ähnlichen Schema aufgebaut sind und zu denen eine große Menge an Daten verfügbar ist – so beispielsweise bei Fussballspielberichten.

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Kontrastive Fußballidiomatik

In einem früheren Blogpost habe ich eine korpuslinguistische Methode zur automatisierten Detektion von ‚Phrasen‘ vorgestellt. Die basiert auf einer sog. Kollokationsanalyse und funktioniert kurz gesagt so, dass in einem Korpus Wortpaare gefunden werden, deren Bestandteile für sich genommen selten, dafür aber recht häufig zusammen vorkommen (und zwar im statistischen Sinne signifikant häufig). Thematisch homogene Korpora wie etwa Liveticker-Korpora sind hierfür ideal, denn wenn bspw. in Livetickern überhaupt von einer Messe die Rede ist, dann wohl immer in der Weise, dass sie (noch nicht) gelesen ist. Der Phrasendetektor findet also Wortverbindungen, deren Komponenten in ihrer wörtlichen Bedeutung thematisch nicht einschlägig sind, dafür aber in genau dieser Kombination idiomatische Bedeutung haben und als Idiome wiederum sehr domänentypisch sind.

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Radiofussballlinguistik Pt. 1

Reportagestruktur der ARD-Bundesligakonferenz

Ein Gastbeitrag von Leonard Brandbeck

Samstagnachmittags um 15.30 Uhr das Radio einzuschalten, das gehört für viele Fußballfans in Deutschland immer noch zum Pflichtprogramm. Nach wie vor lauschen mehr als acht Millionen Menschen den um diese Zeit übertragenen Partien der (Herren-)Bundesliga; kaum ein anderes Hörfunkformat kann sich mit der Popularität der ARD-Bundesligakonferenz messen: Die dramatische Sprechmelodie der Reporter*innen sowie die ikonischen Torschreie sind unverkennbar, emotionale und dramatische Reportagen wie die vom Abstiegskampf am letzten Spieltag der Saison 1998/1999 („Ich pack das nicht! Ich halt das nicht mehr aus! Ich will das nicht mehr sehen!“) haben sich in das kollektive Gedächtnis der Fangemeinde eingebrannt, und langjährige Reporter*innen wie Manfred Breuckmann, Günther Koch oder Sabine Töpperwien sind längst selbst zu Legenden geworden – die ARD-Bundesligakonferenz gilt als eine „Institution“ der deutschen Sportberichterstattung.

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F***t euren Stammbaum!

Den Shitstorm, der über Franck Ribéry nach Verzehr des vergoldeten Steaks hereingebrochen ist (im Gegensatz zu Lionel Messi übrigens, der auch eins gegessen hat), hat er mit einer bemerkenswerten „Pöbelattacke“ gekontert – so heißt es in vielen Newsportalen. Ein Totalausfall, ein Ausraster, so formuliert etwa die GQ. Voilà, hier ist der Text (und hier der Link zum Originaltweet):

Ich persönlich finde, dass die Bezeichnungen „Pöbelattacke“, „Totalausfall“ und „Ausraster“ den Text nicht wirklich gut charakterisieren. Das klingt zu sehr nach unkontrolliertem emotionalem Ausbruch, aber dafür ist der Text zu gut komponiert (mal abgesehen davon, dass man möglicherweise aus Wut heraus, aber kaum in Rage ein Sharepic erstellt und auf Twitter publiziert). Der rhetorische Terminus „Invektive“ (Schmährede) trifft da schon besser, ist der Text doch ganz offenbar geplant und auch rhetorisch durchgestaltetet. Von der ganz klassischen Invektive (vgl. hierzu Neumann, U. (1998): „Invektive“. In: G. Ueding (Hg.): Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Bd. 4. Tübingen: Niemeyer, 549–561) mag sich Ribérys Tweet zwar dadurch unterscheiden, dass sich die Schmähung hier nicht gegen eine konkrete Person richtet, sondern vielmehr an die diffuse Menge, die den Shitstorm kollaborativ hervorgebracht hat. Aber nicht zuletzt die sorgsam bediente „Schmähtopik“ und die wortspielerische Kreativität der Beschimpfungen ordnen den Tweet in die Tradition der Schmähreden ein.

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Die ewige Elf des Tages

Seit der allerersten Bundesligasaison kürt der Kicker zu jedem Spieltag eine Elf des Tages. Auf kicker.de sind all diese Allstar-Teams einzusehen. Auch wird am Ende jeder Spielzeit eine Elf der Saison gekürt, vor allem auf Grundlage der Durchschnittsnoten. Das ist sicher sinnvoll, trotzdem kann man ja auch mal probehalber schauen, welche Rankings sich ergeben, wenn man die Nominierungen für die Elf des Tages akkumuliert, und zwar nach Spielernamen wie auch nach Clubs. Welche Spieler und welche Clubs wurden am häufigsten für die Elf des Tages nominiert? Das kann man saisonweise oder auch, im Stile einer ewigen Elf des Tages, für die komplette Bundesligageschichte tun.

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