Die Spieler des Spiels

Üblicherweise wird nach Fußballspielen ein*e Spieler*in als Player of the Game oder, wenigstens im Herrenfußball, als Man of the Match ausgezeichnet. Das macht die FIFA bei Großturnieren und vergibt dafür auch eine kleine Trophäe (aus Plexiglas, meine ich), das macht aber auch der kicker in seinen Spielberichten. Auf kicker.de lassen sich bis zur Bundesliga-Saison 1998-99 die jeweiligen Spieler des Spiels einsehen. Bis zur Saison 2018-19 wurde die Kür auch noch mit ein oder zwei Sätzen begründet – ein Fall für die Fußballlinguistik also.

Doch beginnen wir mit den nackten Zahlen. Wer war in den 6538 ausgewerteten Spielen am häufigsten Spieler des Spiels? Die folgende (durchsuch- und sortierbare) Tabelle zeigt es:

Bis zum Ende der Saison 2018/19 teilten sich noch Pizarro, Reus und Ribéry den ersten Platz mit je 43 Titeln; mit der gerade zu Ende gegangenen Hinrunde 2019/20 hat sich Lewandowski vorgearbeitet und Marco Reus hat den Thron erobert.

Wie wird man Spieler des Spiels?

An den kurzen Begründungstexten kann man nachvollziehen, welche Eigenschaften und Spielweisen von den kicker-Redakteur*innen so hochgeschätzt werden, dass es für den inoffiziellen Titel des Spieler des Spiels reicht. Als korpuslinguistisches Analyseverfahren bietet sich hier, so wie ich es schon in meiner Serie zur Elf des Spieltages gemacht habe, eine Keywordanalyse an.

Als Vergleichskorpus ziehe ich mein Korpus mit sämtlichen Einzelkritiken der BL-Saisons 2012-2016 von sportal.de heran, dessen Texte in gleicher Weise je einen Spieler individuell bewerten, aber eben nicht nur die Spitzenleistung. Die Keywordliste, also die Liste der im Untersuchungskorpus signifikant häufigen Lexeme gibt ganz gut Aufschluss darüber, was von einem Spieler erwartet wird. Im folgenden mal die Top 100 jeweils mit den Belegzahlen (Korpusgröße 119’507 Tokens):

Neben Substantiven und Verben, die mit dem Erzielen von Toren sowie mit Siegen zu tun haben (Tor, erzielen, Schütze usw.) fallen natürlich besonders die vielen Adjektive auf (glänzend, laufstark, unermüdlich, souverän, anspielbar usw.). So wie man sich einen Spieler eben wünscht, ja es sind geradezu die vielgerühmten Grundtugenden, die hier durchscheinen. Aber es sind natürlich auch eher schwammige Begriffe, die sich kaum präzise in bestimmte Spielanweisungen übersetzen lassen. Und da sieht man einmal mehr, dass der kicker eben massentauglichen Fußballjournalismus abliefert.

2 Kommentare

  1. Wie wird das Ranking der Lexeme genau berechnet?

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